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                                                         2009 ADFC SH LV 4c

Pressemitteilung 

 

 

 

 Der ADFC Fahrradklima-Test in Schleswig-Holstein: Noch kein Klimawandel in Sicht

Der ADFC-Fahrradklima-Test 2016 hat mit mehr als 120.000 Teilnehmenden in Deutschland und 539 Städten in der Wertung erneut Rekorde gebrochen. Für Schleswig-Holstein deutet das Gesamtergebnis vor allem auf eins hin: Es gibt noch viel zu tun, um das Fahrradklima zu verbessern.

 Im vergangenen Herbst hat der ADFC zum siebten Mal deutschlandweit aufgerufen, anhand von 27 Fragen die Fahrradfreundlichkeit des Wohnortes im Schulnotensystem zu bewerten.

„In Schleswig-Holstein haben es 34 Städte und Gemeinden durch ausreichende Teilnahme in die Wertung geschafft. Erstmals sind alle Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern dabei“, freut sich der ADFC Landesvorsitzende Thomas Möller. „Sie erhalten nun eine Rückmeldung der Radfahrenden Einwohnerinnen und Einwohner, wie diese das Fahrradklima einschätzen.“

 Im deutschlandweiten Vergleich landet die große Mehrheit landet im hinteren Mittelfeld. Es gibt aber auch einzelne gute Vorreiter-Städte in Schleswig-Holstein. Spitzenreiter im echten Norden ist die Stadt Norderstedt, die mit einer Note von 3,2 und Platz 4 im Deutschlandranking nur knapp das Treppchen verpasst hat. Beim Fahrradklima-Test 2014 hatte die Stadt bereits stark aufgeholt und wurde dafür als Dritter bei den Aufholer-Städten ausgezeichnet. Jetzt hat sich die Stadt an die Fersen des Spitzentrios im Feld der Städte von 50.000 bis 100.000 Einwohnern geheftet: Bocholt, Nordhorn und Wesel – alle unweit der holländischen Grenze.

Wem Norderstedt noch nicht als Fahrradstadt aufgefallen ist, sollte sich vor Ort umsehen. Die Stadt hat sich auf den Weg gemacht und will Fahrradstadt werden. Das Fahrradverleihsystem ist dafür ein gut sichtbares Zeichen. 2016 wurde es im Rahmen des TINK-Projekts (Transportradinitiative nachhaltiger Kommunen) zusätzlich mit 24 Transporträdern ausgestattet. Dafür hat die Stadt zusammen mit dem Projektpartner Konstanz Anfang April in Mannheim beim Nationalen Radverkehrskongress den Deutsche Fahrradpreis verliehen bekommen. Herzlichen Glückwunsch! Für das Thema Fahrradverleihsystem gibt es denn mit einer 1,9 auch die beste Teilnote von allen Fragen und mit Abstand den besten Wert in Schleswig-Holstein.

 Der größte Leuchtturm beim Thema Fahrradfreundlichkeit in Schleswig-Holstein ist nach wie vor die Landeshauptstadt Kiel. Unter den 39 Großstädten in Deutschland steht sie unverändert auf Platz 6. 2005 hatte sich Kiel schon mal auf Platz 2 hinter die ewige Fahrradhauptstadt Münster geschoben – bereit zum Überholen. Inzwischen sinkt der Stern Münsters zwar langsam, aber auch die Konkurrenz ist größer geworden. Dennoch spielt Kiel beim Radverkehr weiter in der ersten Bundesliga. In Schleswig-Holstein ist Kiel deutlich führend bei der Radverkehrsförderung. Ein Veloroutennetz, Fahrradstraßen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, ansehnliche Radwege, 99 Prozent freigegebene Einbahnstraßen und eine flächendeckende Fahrradwegweisung gibt es in Kiel schon lange. Dazu kommt eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Fahrradstadtplan, Faltblättern und Plakaten. Am Hauptbahnhof empfängt eine moderne Radstation die Umsteiger von und zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, ein Radschnellweg ist in Arbeit und es gibt viele weitere Pläne. Bleibt nur zu wünschen, dass noch mehr Menschen in Kiel auf das Fahrrad umsteigen und sich mit ihrer Fahrradstadt Kiel identifizieren. Dann klappt es auch mit der Fahrradhauptstadt.

 Etwa eine Notenstufe schlechter als die Spitzenreiter im Land liegen die Städte Eutin, Bad Segeberg und Pinneberg unverändert auf den letzten drei Plätzen. Hier gibt es noch besonders viel zu tun, um etwas für die Fahrradfreundlichkeit und damit letztendlich auch die Lebensqualität in diesen Städten zu tun. Bei den Einzelnoten zu den 27 Fragen zeigt sich, dass es in den meisten Themenfeldern jede Kommune selbst in der Hand hat, wie fahrradfreundlich sie ist. So scheint zum Beispiel die Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung in Eckernförde genauso wenig ein Problem zu sein wie in Kiel. Etwas weiter östlich in Plön, Eutin und Neustadt gibt es dagegen die Note 5 für diese Frage.

 Für jede Stadt, die in die Wertung gekommen ist, gibt es ein detailliertes Bewertungsblatt mit allen Einzelnoten und mit den besonderen Stärken und Schwächen der einzelnen Stadt auch im Vergleich zu anderen. Damit kann jede Stadt gut erkennen, in welchen Bereichen sie den größten Handlungsbedarf hat, und hoffentlich tüchtig an einer Verbesserung arbeiten.

 Die schlechtesten Noten gab es im Land für die Fahrradmitnahme im Öffentlichen Nahverkehr. Hier liegen die Bewertungen in Schleswig-Holstein insgesamt eine halbe Notenstufe schlechter als im Bundesdurchschnitt. Nicht ohne Grund fordert der ADFC Verbesserungen bei der Fahrradmitnahme in Bus und Bahn in Schleswig-Holstein. Deutlich positiver wird die Fahrradmitnahme in den Kommunen im Bereich des Hamburger Verkehrsverbunds bewertet. Hier kann man das Fahrrad außerhalb der Hauptverkehrszeiten kostenlos mitnehmen.

 Schaut man auf das Gesamtergebnis von Schleswig-Holstein nach Schulnoten, sieht das nicht gerade glänzend aus: Es gibt nur viermal eine Drei, dafür 30-mal eine Vier. Überall ist ein großes Potenzial für Verbesserungen zu sehen und es gibt auch Aufgaben für das Land. Um ein Fahrradland zu sein, reicht es nicht, über Land die meisten Kilometer Radwege an Bundes- und Landesstraßen vorzuweisen. Auch in den Orten muss die Infrastruktur zum Radfahren stimmen.

 „Der ADFC möchte, dass sich das Fahrradklima im ganzen Land in den nächsten zehn Jahren um mindestens eine Notenstufe verbessert“, gibt sich Thomas Möller kämpferisch. „Nur dann werden viel mehr Menschen gerne auf das Fahrrad als Verkehrsmittel umsteigen. Um effizient voranzukommen, braucht das Land Schleswig-Holstein eine Radstrategie.“ Die fordert der ADFC Landesverband von der neuen Landesregierung.

Die Ergebnisse und weitere Informationen zum Fahrradklima-Test 2016 sind unter www.fahrradklima-test.de zu finden.