Pressemitteilung

ADFC-Fahrradklima-Test in Schleswig-Holstein: Wir brauchen die Verkehrswende!

 

Die Befragung zur Fahrradfreundlichkeit der Städte hat wieder Rekorde gebrochen. In Schleswig-Holstein sind 46 Städte und Gemeinden in die Wertung gekommen. Die Noten der meisten Städte im echten Norden sind schlechter geworden.

 

FKT 2019 1

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hatte im Herbst 2018 zur Bewertung der Städte anhand eines Fragebogens mit 27 Fragen aufgefordert. Daran haben sich deutschlandweit 170.000 Menschen beteiligt, ein Plus von über 40 % gegenüber 2016.

„Die hohe Teilnahmezahl zeigt das große Interesse am Radfahren“, so der ADFC-Landesvorsitzende Thomas Möller. „In Schleswig-Holstein haben wir jetzt ein klares Bild zur Fahrradfreundlichkeit fast aller Städte über 10.000 Einwohner. Die Verschlechterung des Fahrradklimas macht deutlich: Wir brauchen endlich Taten, damit das Radfahren bei uns attraktiver und sicherer wird.“

Die Bewertung bei den Fragen kann mit Schulnoten verglichen werden. Die fünf größten Städte in Schleswig-Holstein haben sich im Durchschnitt von einer 3,8 auf eine 4,0 verschlechtert. An der Reihenfolge in Schleswig-Holstein ändert sich nichts: Bei den Großstädten liegt Kiel vor Lübeck und ist bundesweit von Platz 6 auf Platz 7 gefallen. Norderstedt hat sich um eine halbe Notenstufe verschlechtert und ist bundesweit von Platz 4 auf Platz 17 unter den 106 Städten von 50.000 bis 100.000 Einwohner abgesunken. Neumünster und Flensburg liegen hier auf den Plätzen 73 und 81.

Bei den Städten zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern hat die Stadt Geesthacht Eckernförde überholt. Verbessert hat sich ebenfalls die Stadt Elmshorn. Hier wurde die Fahrradförderung in jüngster Zeit mit einer 3,3 von allen Städten in Schleswig-Holstein am besten bewertet.

Unter den kleineren Städten belegt der Neueinsteiger Malente gleich den Spitzenplatz und hat mit einer 3,3 die beste Gesamtnote in Schleswig-Holstein. Den größten Sprung nach vorne hat die Stadt Eutin gemacht, die sich von einer 4,4 auf eine 3,7 verbessern konnte. Die zweitbeste Entwicklung hat Plön genommen, das sich von einer 3,7 auf eine 3,4 verbessern konnte und nun bei den Städten unter 20.000 Einwohnern auf Platz 3 hinter Malente und Preetz liegt.

Die schlechtesten Noten gibt es in den Städten für die fehlende Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen (Durschnitt 4,8) und für die Breite der Radwege (Durchschnitt 4,7). „Wir brauchen mehr Platz für’s Rad“ so Thomas Möller. „Und wo der Platz durch Radwege schon geschaffen wurde, muss er von Autos und Lieferfahrzeugen konsequent freigehalten werden. Dafür wird sich der ADFC Schleswig-Holstein in nächster Zeit besonders einsetzen.“

Der ADFC Schleswig-Holstein kritisiert scharf die negativen Äußerungen des schleswig-holsteinischen Verkehrsministers zur angedachten StVO-Novelle. Dr. Bernd Buchholz (FDP) hatte sich auf der Verkehrsministerkonferenz in Saarbrücken gegen fahrradfreundliche Änderungen der Straßenverkehrs­ordnung ausgesprochen.

Der Verkehrsminister wandte sich in seinem Statement u.a. gegen die geltende Rechtsprechung, die einen verpflichtenden Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Meter beim Überholen von Radfahrenden vorsieht.

„Dr. Buchholz sollte endlich begreifen, wie dringlich das Land jetzt eine Verkehrswende benötigt und wie groß das Potenzial des Fahrrades für Schleswig-Holstein ist“, so Thomas Möller, Landesvorsitzender des ADFC Schleswig-Holstein. Aktuelle Mobilitätsstudien belegen: Im hohen Norden liegt über die Hälfte aller Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, innerhalb der idealen Fahrrad-Distanz von maximal fünf Kilometern.

Die Ergebnisse des ADFC Fahrtradklima-Tests sind unter www.fahrradklima-test.de veröffentlicht.