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Stellungnahme des ADFC Lübeck zum Beschluss der Bürgerschaft

 

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Nur heiße Luft?

Lübecks Bürgerschaftsmehrheit hat am 20. Juni beschlossen, zukünftig 2,5 Millionen Euro jährlich für Radwege auszugeben. Lübecks Radwegenetz ist 190 Kilometer lang und entspricht zu weit weniger als 10% dem Stand der Technik, dessen Einhaltung für Grunderneuerungen und Neubauten vorgeschrieben ist. Nach den Angaben der Stadt kostete eine Radwegesanierung mit Anpassung an die Regelwerke in den letzten Jahren etwa 500.000 Euro je Kilometer. Daraus lässt sich leicht errechnen, dass mit dem genannten Budget etwa 5 Kilometer jährlich saniert werden könnten, und dass deshalb die vollständige Anpassung des Radwegenetzes an die Regelwerke auch im günstigsten Fall nicht vor 2055 bis 2060 abgeschlossen wäre. Insofern würde das beschlossene Budget zwar vermutlich die Mängelverwaltung erleichtern, es hätte aber keine relevante Zunahme des Fahrradverkehrs zur Folge. Die von mehreren Stellen formulierte Zielvorstellung, den Radverkehrsanteil auf 40% aller Wege zu steigern, wäre nichts anderes als heiße Luft – im wahrsten Sinne des Wortes: Lübeck würde seine gerade beschlossenen Klimaziele drastisch verfehlen, der Flächenverbrauch des Verkehrs würde mangels attraktiver Alternativen zum Pkw weiter steigen statt zu sinken, die Unfallrate von Radfahrern bliebe auf einem inakzeptabel hohen Niveau, ebenso die immensen Krankheitskosten aufgrund von Bewegungsmangel.

St Jürgrn Ring7

Auch dem kommunalen Haushalt hat die Bürgerschaft mit ihrem Geiz einen Bärendienst erwiesen. Alle Verkehrsmittel erfordern einen kommunalen Zuschuss, aber dieser ist nicht bei allen Verkehrsmitteln gleich. Zieht man von den entstehenden Kosten die verkehrsmittelspezifischen Einnahmen ab (also Fahrscheinverkauf, Steuern, Zuschüsse von Bund und Land), dann erhält man für einen kommunalen Zuschuss von einem Euro etwa 15 Personenkilometer Busverkehr, 30 Personenkilometer Pkw-Verkehr, oder 120 Kilometer Fahrradverkehr. Lübecks Bürgerinnen und Bürger legen jährlich 180 Millionen Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Würden sie mit diesem Wegeanteil komplett zu anderen Verkehrsmittel ausweichen, hätte dies allein kommunale Mehrkosten für den motorisierten Verkehr von mehr als 7 Millionen Euro jährlich zur Folge.

fordert der ADFC ein jährliches Budget von mindestens 30 Euro je Einwohner und Jahr für den Radverkehr. Dies bedeutet, dass die durch den Radverkehr erzeugten kommunalen Einsparungen bis zum Erreichen eines gesetzeskonformen Zustands der Infrastruktur vollständig in den Radverkehr reinvestiert werden müssen. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Lübecks Blüte im Spätmittelalter großenteils Folge strategischer Entscheidungen der Kaufmannschaft war. Mit reinem Krämerdenken wäre diese Entwicklung vermutlich anders verlaufen.

 

 
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