Fehlen 15 cm?


Immer wieder hört der ADFC Lübeck, dass auf der Kamelbrücke Radfahrende von der Polizei gestoppt und ggf. auch mit einem Verwarngeld belegt werden, weil sie der Wegweisung zwischen Lübeck und Reinfeld gefolgt sind. Warum wird der Gehweg nicht für den Radverkehr freigegeben?

Als die regionale Wegweisung auch in Lübeck im Jahr 2013 Einzug hielt, waren sich alle einig: die Strecke nach Reinfeld muss über die Kamelbrücke und ohne KfZ-Belastung durch das Wohnquartier Buntekuh geführt werden. Aber weil das Geländer zu niedrig war, konnte die Kamelbrücke für den Radverkehr nicht freigegeben werden. Doch im letzten Jahr konnte bei der Verlegung neuer Versorgungsleitungen das Geländer auf die vorgeschriebene Höhe von 1,3m gebracht werden. Aber die Freigabe für den Radverkehr wurde nicht vorgenommen. Der Antrag der Verkehrsplaner wurde zwar Mitte Dezember bei der Straßenverkehrsbehörde gestellt und die Zustimmung der Polizeidirektion Lübeck erfolgte kurzfristig, aber nach einem Ortstermin stellte der Leiter der Straßenverkehrsbehörde fest, dass die erforderliche Höhe für die Freigabe nicht vorhanden ist. Durch die neuen Versorgungsleitungen musste der Boden der Brücke um 30 cm angehoben werden. Nun beträgt die lichte Höhe zwischen dem Boden und den Verstrebungen über der Brücke nur noch 2,35 bis 2,38 m. Die Richtlinien für die Anlage von Straßen sehen jedoch einschließlich jeweils 25cm Bewegungs- und Sicherheitsraum 2,5m vor und zwar sowohl für den Rad- als auch den Fußgängerverkehr. Mit anderen Worten ausgedrückt, auch der Fußgängerverkehr darf auf der Brücke nicht zugelassen werden.

Was überlegt also die Straßenverkehrsbehörde seit einem dreiviertel Jahr? Sie könnte doch einfach die Brücke komplett sperren, die Radfahrer auf der Veloroute vom Hauptbahnhof/Zentrum nach Buntekuh/- Reinfeld und umgekehrt auf einen 800 m langen Umweg schicken, mehr als 40 Wegweiser ändern und auch die Fußgänger, darunter viele Schüler, verärgern. Oder sie geht pragmatisch vor, nutzt ihren Ermessungsspielraum, gibt die Brücke für alle frei, hängt vorsichtshalber noch, wie in der StVO vorgesehen, ein rot-weißes Leitmal (StVO Zeichen 627) und zusätzlich das Zeichen tatsächliche Höhe ( StVO Zeichen 265) beidseitig an die Querstreben der Brücke und entfernt auch gleich die Umlaufsperre auf der Ostseite.