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teaser ADFC Landesversammlung 2018

(ad) Ein Wochenende lang  verwandelte sich die Stadt Plön über Nacht zur heimlichen Fahrrad-Hauptstadt Schleswig-Holsteins. Aktive aus allen Teilen des Landes trafen sich zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch, um Strategien festzulegen und über Kampagnen auf dem Weg zur Verkehrswende zu diskutieren.

 

 

Der renommierte Verkehrswissenschaftler Prof. em. Heiner Monheim lieferte mit seinem Impulsvortrag „Mehr Radverkehr auf die Straßen“ sogleich einen fachlichen Einstieg sowie eine Vielzahl guter Ideen und Argumente pro Radverkehr.

Der Verkehrsclub habe sich in der Vergangenheit kritisch und mängelorientiert gezeigt, so Monheim, und dabei zu sehr die Risiken und Gefahren des Radfahrens betont. Das sei nicht, was der ADFC wolle. „Wir reden immer nur über Unfälle und Verkehrssicherheit. Das müssen wir umdrehen!“, so Monheim weiter. Es gelte, die Haupt-Zielgruppe zu adressieren. Dies seien die ca. 85% der Menschen, die noch nicht zu den Alltags-Radfahrenden zählten.

gruppenfoto mit prof monheim lieskeDer Verkehrsexperte plädierte vielmehr dafür, so viel Werbung für das Rad zu machen wie möglich. Ferner müsse man anfangen, „in Netzen zu denken“. Monheim sprach sich unter anderem für mehr Fahrradstraßen, eine optimierte Wegweisung für Radfahrende und eine alters- und zweckspezifische, regionale Radverkehrsplanung aus. Außerdem wies er auf die positive Entwicklung des Fahrradmarktes hin. Zunehmender Lastenradverkehr müsse verkehrsplanerisch berücksichtigt werden. Auch der Pedelec-Boom sei eine segensreiche Entwicklung, denn es handele sich um ein Bekenntnis zum Fahrrad.

Allmählich komme auch in der Politik an, dass Radfahrende wertgeschätzt werden müssten und Fahrräder einen Wert besäßen. Daher brauche man auch deutlich mehr Radstationen, z.B. an Bahnhöfen. Das sei ein Milliardenprogramm, so Monheim.

Exklusiv-Interview mit Prof. Dr. Monheim zu Fragen der Radverkehrsförderung: hier klicken!

Der Radverkehrsbeauftragte der Stadt Plön, Wolfgang Homeyer, begab sich im folgenden Vortrag in die Niederungen des Planungsalltags. Hier wurde extensiv von Widrigkeiten und verwaltungsinternen Widerständen berichtet, die es trotz aller Bemühungen nicht so einfach machen würden, Radverkehrsplanungen in angemessener Zeit umzusetzen. So würden Förderfenster aufgrund der Dauer und Komplexität der Abläufe teilweise einfach erlöschen.

Plöns Bürgermeister Winter

Zur Landesversammlung am Sonntag begrüßte der Plöner Bürgermeister Lars Winter die ADFC-Aktiven und weitere angereiste Mitglieder. Er sorgte für einen sehr bewegenden Moment, als er vom tödlichen Fahrradunfall seiner Schwester berichtete, den diese auf dem Schulweg erlitten habe. 

Unter großem Beifall der ADFC-Mitglieder betonte er, wie wichtig es daher für ihn sei, schnell konkrete Verbesserungen für die Sicherheit von Radfahrenden zu erreichen.

Unter anderem sollten Parkverbotszonen im Bereich von Schulen eingerichtet werden. Zum Maßnahmenpaket würden auch die Einführung von Tempo 30, die Markierung von Schutzstreifen, die Ausweisung von Fahrradstraßen, die Verbesserung von Abstellanlagen für den Radverkehr, die Förderung der Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Lastenräder, ein Leihradsystem und die Optimierung der Öffentlichkeitsarbeit gehören.Auch wolle Winter an der Erarbeitung einer neuen Radstrategie für Schleswig-Holstein mitarbeiten.

Um seinen Anspruch zu untermauern, übergab der Bürgermeister dem ADFC-Landesvorsitzenden Thomas Möller im Anschluss an seine Rede einen ausgefüllten Mitgliedsantrag, was die Zuhörerschaft zu begeistertem Applaus antrieb.

Die TeilnehmerInnen beschlossen nach lebhafter Diskussion zahlreiche Anträge zur zukünftigen Ausrichtung der Arbeit des ADFC:  Erstmals wurde mehrheitlich eine landesweite Kommunikationsleitlinie vereinbart. Weitere Anträge befassten sich mit einer medialen Aufklärungskampagne zu speziellen Regeln des Radverkehrs, mit der Organisation eines Verkehrskongresses sowie der Verbandsentwicklung. Die Qualität der Ausbildung von ADFC-TourenleiterInnen für geführte Radtouren soll mithilfe von Zertifizierungen weiter erhöht werden. Außerdem solle das verbreitete Problem des Falschparkens auf Radwegen und Velorouten gezielter bekämpft werden. 

Der ADFC Schleswig-Holstein e.V. zeigt sich damit insgesamt für die Zukunft gut aufgestellt. Nun gilt es, die gemeinsamen Pläne zügig umsetzen...